Fotoausstellung SOUVENIRS auf der Frankfurter Buchmesse

Fotoausstellung Souvenirs von Cindy Ruch

Ich fotografiere, was ich von Reisen nicht mitnehmen kann: alte Autos, verwurzelte Pflanzen, Fensterausblicke, Bücherstapel, die Übernachtung in der Halbwüste. Und sammel somit Fotos von kleinen Sehenswürdigkeiten aus Spanien, Portugal, Frankreich, Südafrika, Argentinien und den USA – ganz wie Souvenirs. Reisefreundlich verpackt in einer Negativfilmrolle.

Heute startet die Frankfurter Buchmesse 2018 und ich freue mich sehr, am Stand des Reisedepeschen Verlages meine kleine Fotoausstellung zeigen zu dürfen. (Halle 3.1. H 95) Schaut vorbei, wenn ihr vor Ort seid; und entdeckt neue Reisebücher und Souvenirs aus der Ferne.

-> Die Veranstaltung im Buchmessenprogramm
-> Alle Ausstellungsfotos in meinem neuen Printshop


Am Fluss

I take photos of what I cannot take home from my travels: old cars, rooted plants, views from windows, pile of books, a night in the desert. In this way, I collect photos from little sights from Spain, Portugal, France, South Africa, Argentinia and the US – just like souvenirs. Easy to transport on a roll of negative film.

Today starts the Frankfurt Bookfair 2018 and I am happy to say that I am showing my little photo exhibition at the booth of the Reisedepeschen Verlag. (exhibition hall 3.1. H 95). If you are there, check it out; and discover new travel books and souvenirs from faraway.

-> The event at the bookfair’s program
-> The exhibition photos in my new print shop

NYC im Rahmen

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What a summer

feierabendberlin

cindyruch_jack london

Balkontomaten

city car

This summer was all about settling into our new home, having as many meals outside on the balcony as possible, drinking coffee poured over ice cubes in form of fishes, enjoying the natural air-condition of a Berliner Altbau, picking tomatoes and herbs from the balcony, jumping into the nearby lake after work, reading-reading-reading, going camping on the weekends, exploring Berlin and Brandenburg…

Diesen Sommer lebten wir uns in unserer neuen Wohnung ein, versuchten so viele Mahlzeiten wie möglich draußen auf dem Balkon zu essen, tranken Kaffee auf fischförmigen Eiswürfeln, genossen die natürliche Klimaanlage eines Berliner Altbaus, ernteten Tomaten und Kräuter vom Balkon; ich sprang in den nahen See zum Feierabend, hatte immer ein Buch zu lesen, und ging Zelten an den Wochenenden, erkundete Berlin und Brandenburg…

Bantikowsee Inslgewitter

Inslfahrt

Bantikowsee Caravan

… and this summer was also about some early mornings. I got up before the sun reached our backyard, took my bicycle, my cameras and my notebook to head to the other side of Berlin or out to Brandenburg, researching for two exciting book projects with Reisedepeschen Verlag and The Gentle Temper Publishing.

… diesen Sommer gab es frühere Morgenstunden. Ich stand auf, bevor die Sonne unseren Hinterhof erreichte, schnappte mir mein Fahrrad, meine Kameras und mein Notizblock, um zur anderen Seite der Stadt oder raus nach Brandenburg zu fahren, auf Recherche für zwei spannende Buchprojekte für Reisedepeschen Verlag und The Gentle Temper Publishing. 

Beussel Strasse

Those excursions and balcony evenings kind of made me arrive in Berlin once more, and for real.

Und genau diese Ausflüge und Balkonabende ließen mich wie noch einmal neu in Berlin ankommen, und diesmal so richtig.  

Brandenburger Doppel

Double negative

stadtlese

Schon öfters stand ich vor einer Haustür und fragte mich, welche Geschichten dahinter steckten. Wer lebte hier? Wie war ihre Einrichtung, ihre Morgenrituale, ihr Abendessen, ihre Gespräche? Wie bewahrten sie ihre Erinnerungen auf, in Fotoalben in der untersten Schublade, in aufgestellten Rahmen in einer Schrankwand, oder in Erzählungen auf der Couch?

Wer stand nicht auch schon einmal vor solchen Türen und fragte sich, ohne auf Antworten zu warten?

In Ivan Vladislavić Roman „Double Negative“ werden diese Türen geöffnet. Neville Lister, ein Studienabbrecher und kurzzeitiger Straßenmaler, steht mit dem Fotografen Saul Auerbach und dem Journalisten Brookes auf einem Hügel in Johannesburg. Der Eingebung des Augenblicks folgend, beschließen sie, drei Häuser auszuwählen, um danach ins Tal zu fahren, an deren Türen zu klopfen und ihre Geschichten herauszufinden.

Sie schauen auf das Johannesburg zur Zeit der Apartheid Anfang der 1980er, das vor ihnen liegt „wie ein aufgeschlagenes Buch, mit dem Reef als Rücken. (…) Auerbach zeigte auf Townships und Wohnviertel, Herbergen und Fabriken, Abraumhalden und Ausschlämmdämme.“ (S. 56).

Der Fotograf will ihnen zeigen, dass man überall Geschichten findet. Wenn man nur aufmerksam ist und Türen öffnet. Man muss hinsehen.

Im Tal werden die Türen geöffnet. Weil Auerbach sie um den Finger wickelt, und weil sie weiß sind. Weil die Türöffner Erinnerungen von sich machen lassen möchten und weil sie schwarz oder farbig sind. Wie im zweiten Haus bei Mrs. Dittons. „In Mrs. Dittons Gesicht kann man die Erleicherung sehen, da sie aus der Fülle des Lebens zu einer kleineren, verminderten Unsterblichkeit zusammenfällt.“ (82)

Sie reden über Fotografie, und das macht dieses Buch so großartig. All die Sätze und Gedanken dazu. Auerbach fotografiert aus einer Intuition heraus, die mir bekannt ist:

“Das Motiv zieht mich an, ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, etwas trifft einen Nerv, rührt etwas in mir an. Manchmal ist es, als fände ich etwas, das ich schon gesehen oder mir eingebildet habe oder an das ich mich erinnere, was keinen so großen Unterschied machen muss. Vielleicht erkenne ich in der Welt etwas als „Bild“, wenn es erfasst, was ich bereits gedacht oder gefühlt habe.“ (S. 53)

Es geht auch um das Erwachsenwerden. Das Hinsehen:

„Woher weißt du, was du brauchst, wenn du jung bist und alles einlösbar erscheint? Wie kannst du entscheiden, was du behalten und wovon du dich trennen willst, wenn dir alle Zeit der Welt zur Verfügung steht?“ (S. 104)

double negative

Jahre später kehrt Neville von London zurück nach Johannesburg. Seine Geburtsstadt hat sich verändert. Doch er hat nicht vergessen, dass damals eine Tür nicht geöffnet wurde, da es zu schnell Abend wurde. Der erste Teil der Buches wiederholt sich und ist doch anders. Diesmal ist Neville der Künstler, der eine junge Journalistin mitnimmt. Im Gegensatz zu Nevilles jugendlichen Ich, das gar nicht wusste, was es will, weiß sie zu vieles, was sie sein möchte. Damals schwieg er und beobachtete, sie plappert in einem Rausch. Er schaute sich nur schüchtern um, sie geht schnurstracks durch die Mauer hindurch, um die Geschichten dahinter zu sehen.

Die Zeiten haben sich verändert. Die Frau im Township möchte nicht von ihr gefilmt werden. Damals war es noch etwas besonders, verewigt zu werden. Damals war auch noch die Fotografie besonders und nicht nur eine Überfüllung von Fernseh- udn Internetbildern. Nevilles großes Vorbild ist und bleibt Saul Auerbach – der sich nie als Künstler sondern immer als lernender Fotograf bezeichnete – doch leider findet er seine eigene Motivation nicht:

„Um seine Stetigkeit beneidete ich ihn am meisten. Unbeirrt hatte er weitergemacht, eine Fotografie nach der anderen, ließ eine Beschreibung seiner selbst und seines Platzes in der Welt zurück, in der eins aufs andere folgte, Abzug auf Abzug. Meine eigene Geschichte enthielt nur Löcher.“ (S.234)

joburg

Der südafrikanische Autor Ivan Vladislavić schrieb bereits einige Texte für Bücher des südafrikanischen Fotografens David Goldblatt, und so liegt die Vermutung nahe, dass er die Figur Auerbachs auf ihm basierte. Im Englischen erschien sogar eine Sonderausgabe, ein Bildband von Goldblatt mit dem Roman.

Letzte Woche ist David Goldblatt gestorben. Er fotografierte Südafrika zur Zeit der Apartheid, doch nicht die großen Ereignisse, sondern das Alltägliche:

„Ich bin nicht wirklich daran interessiert, und war es auch damals nicht, den Moment zu fotografieren, in dem etwas passiert. Ich bin an den Bedingungen interessiert, die zu Ereignissen führen.“ (David Goldblatt, gefunden im Tagesspiegel)

Ivan Vladislavić: Double Negative
mit einem Vorwort von Teju Cole
A-1 Verlag, München. 2016.

 

Der Roman wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar vom A1-Verlag zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür.