cake + camera

Analogue photography from faraway and home by Cindy Ruch

Imaginary Travels to Tuscany from home

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San Gimignano

Let’s practise some alternative ways of travelling while staying at home:

Go through your archive, look at pictures of places you’ve been and remember the stories, the air, the tastes, the light.

I remember our drive from Monte A Pescia to San Gimignano after lunch through a hilly, cypress-framed countryside. We walked along the city’s wall and just before we went back into the car and just before the light disappeared, I took two more photos. This was in 2018. I forgot to scan both of them. I only re-discovered them now when I organised my negatives which I like to do in the winter months. I looked at them more closely and they continued telling the day, they brought me to the drive back to Monte A Pescia afterwards, from sunset to darkness, with a stop at the pizza place at the foot of the hill and the climb back up to Monte A Pescia in the dark.

Lasst uns alternative Reisearten üben, während wir zuhause bleiben:

Holt euer eigenes Archiv hervor, schaut euch die Fotos von Orten an, an denen ihr schon wart, und erinnert euch an die Geschichten, die Luft, den Geschmack, das Licht.

Ich erinnere mich, wie wir nach dem Mittagessen von Monte A Pescia nach San Gimignanon durch die hügelige, Zypressen-gerahmte Landschaft fuhren. Wir liefen auf der Stadtmauer entlang, und kurz bevor wir wieder ins Auto stiegen und bevor das Licht ganz verschwand, machte ich noch zwei Fotos. Das war 2018. Ich vergaß, beide zu scannen. Erst jetzt entdeckte ich sie wieder, als ich meine Negative sortierte, was ich gerne in den Wintermonaten mache. Ich schaute sie mir genauer an und sie erzählten den Tag weiter, erinnerten mich auch an die Rückfahrt danach, vom Sonnenuntergang bis in die Dunkelheit, mit einem kurzen Stop bei der Pizzeria am Fuße des Berges und unsere Fahrt hinauf nach Monte A Pescia in totaler Dunkelheit.

 

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Firenze

Cook risotto, lasagne, pasta and all the other dishes you had in Italy at home.

It might be a book, a friend’s holiday tales or a stranger’s website that inspires you to go elsewhere. I’ve been to Italy often before, but before this trip, I was very fond of Emiko Davies‘ cook books and website including wonderful pictures of Tuscany. She is Australian and lives with her husband and their two daughters in Florence. She knows so many recipes she has collected from her travels through Italy and from her husband’s family that it’ll bring you through a whole spring and probably summer too.

Kocht Risotto, Lasagne, Pasta und all die anderen italienischen Gerichte zuhause.

Manchmal ist es ein Buch, der Urlaub einer Freundin oder die Webseite einer Fotografin, die inspiriert, woanders hin zu gehen. Ich war schon oft in Italien, doch vor diesem Urlaub war ich ganz angetan von Emiko Davies’ Rezeptbüchern und ihrer Webseite mit wunderschönen Fotos der Toskana. Die Australierin wohnt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Florenz. Von ihren Italienreisen und der Familie ihres Mannes hat sie so viele Rezepte gesammelt, dass man sie einen ganzen Frühling nachkochen kann, und wohl auch noch einen Sommer lang. 

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Monte A Pescia

Read away. For example to pictured Italy:

  • Natalia Ginzburg’s Voices in the Evening if you like a quiet but powerful story set after WWII about Elsa who secretly dates the manufacturer’s son Tommassino. Both try to ignore the gossip of the little town in Piedmont and their families’ wishes for a normal life.
  • Jhumpa Lahiri In Other Words if you study Italian, or any foreign language really, and remember learning, failing, understanding, misunderstanding and falling in love with a language
  • Lisa St. Aubin de Téran’s A Valley in Italy if you dream about owning a house in Italy and want to read what it can be like turning a ruined castle into a home. It might involve sleeping inside a house with no roof and a lot of waiting while making yourself at home
  • Tim Park’s A Season With Verona when you are into football or if you are just interested in sports and fans and Italy and the songs they sing.

Lest in die Ferne. Zum Beispiel ins abgebildete Italien:

  • Natalia Ginzburgs Die Stimmen des Abends: Eine leise aber kraftvolle Geschichte in den Zeiten nach dem zweiten Weltkrieg, in der sich Elsa heimlich mit dem Fabrikantensohn Tommassino trifft, und beide versuchen, den Tratsch des Piemonteser Dorfes und die Wünsche ihrer Familie nach einem angepassten Leben zu ignorieren.
  • Jhumpa Lahiris Mit anderen Worten: wenn man Italienisch lernt, oder irgendeine Fremdsprache, und man ganz genau weiß, wie es ist, ständig zu lernen, zu vergessen, glauben zu verstehen und doch misszuverstehen und sich doch in eine Sprache zu verlieben. 
  • Lisa St. Aubin de Térans Ein Haus in Italien: wenn man davon träumt, ein Haus in Italien zu haben, und mehr darüber lesen möchte, wie es ist, eine Burgruine in ein Zuhause zu verwandeln. Es kann schon vorkommen, dass man dabei in einem Haus ohne Dach schläft und sich auf ein langes Warten vorbereiten muss, bevor es ein Zuhause wird.
  • Tim Parks Eine Saison mit Verona: wenn man Fußballfan ist, oder sich einfach nur für Sport und Fans und Italien und die Lieder interessiert, die sie dabei singen.

 

(Die deutschsprachigen Bücher habe ich mit dem Onlineshop der autorenbuchhandlung berlin verlinkt, in dem ich auch arbeite)

 

First and last days in Montaretto and Cinque Terre

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Sind es nicht oft die ersten und letzten Tage, an denen man am intensivsten sieht, an denen man in aller Dringlichkeit fotografiert? Das Neue, Schöne und Unbekannte fällt bei der Ankunft auf – ich sehe die Spiegelungen in Fenstern, die Lichtstreifen im neuen Schlafzimmer, die Wandmuster, die Farben aller möglichen Fotos.

Isn’t it often the first and last days that make you see more closely, that make you take photos in kind of an urgency? I notice everything new, beautiful and foreign when I arrive – the reflections in the window, the streak of light in the temporary bed room, the pattern of the wall, the colours of many possible photographs.

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Schnell wird das Neue gewöhnlich. Ein paar Spaziergänge und genug Zeit, die immergleiche Runde im kleinen Dorf Montaretto zu wiederholen. Die Kamera bleibt bisweilen in der Unterkunft liegen, auf der Couch mit dem rot-grünen Überzug, oder neben Flasche Chianti. Der konzentrierte Blick lässt nach.

Quickly, the newness turns into ordinary. A few walks and enough time to repeat the same circle through the tiny town of Montaretto. I leave the camera inside, put it on the couch with the red-green cover, or next to bottle of Chianti. The concentrated eye – or is it look? – ceases.

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In Montaretto richten wir unseren Urlaubsalltag ein, fragen nach Bustickets in der Bar, fahren mit dem gleichen Busfahrer die unzähligen Kurven zum Strand runter und am Spätnachmittag wieder hinauf, kaufen Brötchen, Mutti-Tomatensauce, grünes Pesto und Salami im Dorfladen und schauen jeden Abend den Sonnenuntergang von unserem Schlafzimmerfenster aus zu.

We set up our holiday routine in Montaretto, ask for the bus ticket at the bar, take the bus the many turns down to the beach and back up in the late afternoon, buy rolls, Mutti tomato sauce, green pesto and salami at the town’s little shop and watch the sun set every evening from our bed room window.

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Für einen Tag verlassen wir unser Dorf auf dem Hügel über dem Meer, nehmen Bus und Zug nach Cinque Terre. Das Wasser glitzert, die Häuser strahlen, die Gassen sind übervoll. Pizza auf die Hand, durch einen Bogen hindurch an einen kleineren Strand, Meeresblick mit anderen, die auch ihre Pizzastückchen in der Hand halten und dann wieder zum Bahnhof gehen, um den einen Zug in das nächste Städtchen zu nehmen. In Manarola ziehen wir uns zwischen den Bootankünften um und springen in’s Wasser, wo nicht ganz so viele sind, und man, ohne auf Schirm- oder Schuhspitzen zu achten, einfach auf die bunten Häuser, die alten Mauern und die eigenen Zehenspitzen im klaren Wasser schauen kann.

We leave our town on the hill above the sea for one day, take the bus and train to Cinque Terre. The water sparkles, the houses shine, the alleys are so crowded. Pizza to go, through an arch to a tiny beach with sea view with other people who chose a slice of pizza to go and then back to the train station to take the train to the next little city. We get changed between boat arrivals in Manarola and jump into the water where there aren’t too many people, so you can peacefully look at colourful houses, old walls and your own tiptoes in the crystal clear water.

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Der dringliche Blick taucht am Tag vor der Abreise wieder auf, schon mit der Ahnung des Vergänglichen, dem Bedürfnis diesen Ort und diese Zeit für Später festzuhalten, zu erinnern, zu sehen. Manches fotografiere ich, anderes beschreibe ich, hier in Montaretto am Wohnzimmertisch, während von draußen die Gespräche der Einwohner von Montaretto hochschallen, es bellt immer irgendein Hund, das T-Shirt am Kleiderbügel im offenen Fenster im Wind tanzt, kurz vor dem letzten Sonnenuntergang hier.

The urgent eye reappears a day before leaving, already with a hint of the past, with the urge to keep the place and the time for later, to remember, to see. I take photos of some things and write about other ones, here in Montaretto on the table with the now empty bottle of Chianti while outside, people are talking on the piazza, there is always a dog  barking, the shirt on the clothes hanger is dancing in the open window, just before another last sunset.

We keep coming back to Ireland

Start to write this instead. Much of my writing is done as a way of avoiding writing.
(Anne Enright: My writing day on The Guardian)

We keep coming back to Ireland, Jen and I. Staying inside the Bridgehouse we drink tea, eat ginger cookies, try to write stories and read books by Deirdre Madden, Anne Enright and Sally Rooney. The weather changes every ten minutes. There is rain, there is sun, reflecting on the ocean’s surface behind the garden. Then rain again.

Es zieht uns immer wieder zurück nach Irland, Jen und mich. Im Bridgehouse trinken wir Tee, essen Ingwerkekse, versuchen Geschichten zu schreiben und lesen Bücher von Deirdre Madden, Anne Enright und Sally Rooney. Das Wetter ändert sich alle zehn Minuten. Erst Regen, dann Sonne, die sich auf der Meeresoberfläche hinter dem Garten spiegelt. Wieder Regen.

 

We walk her dog through forests covered with moss and along the sea that hugs the Béara Peninsula, and we remember all our other trips to Ireland – hitchhiking up the west coast from Kenmare to Galway, drinking Irish Coffee and listening to live music in dark pubs, strolling around her favourite city Dublin, exploring Northern Ireland two years ago. There are so many memories when you are together.

Wir spazieren mit ihrem Hund durch moosbewachsene Wälder und entlang des Meeres, das die Béara Peninsula umarmt. Wir erinnern uns an all unsere anderen Ausflüge nach Irland – als wir die Westküste von Kenmare nach Galway trampten, Irish Coffee entdeckten und irischer Musik in dunklen Pubs lauschten, als wir ihre liebste Stadt Dublin erkundeten, als wir vor zwei Jahren durch Nordirland fuhren. So viele Erinnerungen zu zweit.

And, as always, I keep bringing my Canon A-1 along everywhere we go. And when I pick up the photos a few weeks after the trip, it somehow extends our time there and I discover the place once again. We’ll come back again, we still want to swim in that lake.

Und immer habe ich meine Canon A-1 dabei. Und wenn ich die Fotos Wochen später abhole, scheint es wieder einmal unsere Zeit dort zu verlängern und ich entdecke alles nochmal neu. Wir werden wieder zurückkommen, wir wollen ja noch in diesem See schwimmen. 

 

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